Lesetipp: Mohammeds deutsche TöchterSamstag, 28. Februar 2004
Denjenigen, die sich Einblicke in die Gedanken- und Lebenswelt von in Deutschland lebenden Muslima wünschen, sei das Buch "Mohammeds deutsche Töchter" von Dr. Hiltrud Schröter empfohlen.
Schröter läßt in ihrem Buch Frauen aus Afghanistan, Pakistan, Marokko, Tunesien, der Türkei und dem Iran zu Wort kommen, läßt sie erzählen von ihrer islamischen Erziehung und ihrem Alltag in Deutschland, von Wünschen und Träumen, von Konflikten und Kompromissen. Ans Ende jedes Gesprächs stellt Frau Schröter eine kurze Analyse. Spannend ist aber vor allem derjenige Teil, der sich mit den Suren im Koran beschäftigt, die immer als Grundlage für die Bekleidungsvorschriften herangezogen werden. Schröter untersucht und vergleicht hier elf verschiedene Übersetzungen (7 deutsche, 3 englische und eine persische) mit dem arabischen Originaltext und kommt zu dem Schluss, dass die Bekleidungsvorschrift für Frauen im Koran weder zu den fünf Pflichten der Muslime gehöre, noch eine religiöse Notwendigkeit sei. In einem Interview mit Löwenmaul - Zeitschr. d. Jungen Union Hessens - spricht sie über ihre Untersuchungsergebnisse. Hiltrud Schröter Mohammeds deutsche Töchter Ulrike Helmer Verlag 295 S. - EUR 20,00 / sFr. 36,00 ISBN 3-89741-103-2 EKD-Vertreter uneins in der Kopftuch-FrageFreitag, 27. Februar 2004
Warum soll es bei protestantischen Kirchenvertretern anders sein, als beim Rest der Deutschen? Auch hier finden sich Befürworter und Gegner eines generellen Kopftuch-Verbots für Lehrerinnen. Eine (namentliche) Aufzählung findet sich beim Evangelischen Sonntagsblatt für Bayern.
Worte sind wie WaffenDonnerstag, 26. Februar 2004
So titelt die Saarbrücker Zeitung am 26.02.04 und zielt damit auf einen - inzwischen - umstrittenen Redeteil (Kopftuch-Debatte am 18.2.) des Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Saarländischen Landtag, Peter Hans.
Die Zeitung zitiert ihn an anderer Stelle wörtlich: "Wir lesen und wissen, dass in islamischen Staaten Frauen von Religionswächtern mit einem Stock öffentlich auf der Straße gezüchtigt werden, wenn man sie mit unbedecktem Kopf antrifft oder das Kopftuch nur verrutscht ist. Wir wissen, dass Minirock tragenden Frauen dort auch schon die Oberschenkel verstümmelt worden sind. Deshalb glaube ich, dass das Kopftuch in der Entwicklung, die es jetzt genommen hat, kein überwiegend religiöses Symbol ist, sondern ein politisches Signal. Es ist in der islamistischen Ausprägung kein Zeichen von Frömmigkeit, sondern ein Zeichen des Hasses." und moniert, dass Hans als Politiker seine Worte sorgfältiger abwägen müsse, da die Differenziertheit seiner Betrachtungsweise am Ohr des Zuhörers vorbei gehen könne. Offensichtlich wird obige Äußerung durchaus auf "Kopftuch = Zeichen des Hasses" reduziert wahrgenommen. Einem weiteren Artikel der SZ vom 26.02.04 zufolge, fühlen sich die Saarländischen Muslime resp. ihr Sprachrohr, die Islamische Gemeinde Saarland e.V. "tief beleidigt" und fordert Hans auf, sich zu entschuldigen; eine Pressemitteilung dazu findet sich hier. Außerdem prüfe der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V., ob der Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt sei. Kopftuch im SaarlandDonnerstag, 26. Februar 2004
Auch im Saarländischen Landtag wurde von CDU und SPD am 18.02.04 ein Gesetzesentwurf eigebracht, mit dem das Schulordnungsgesetz mittels Ergänzung des Absatz 2 geändert werden soll: "Die Schule unterrichtet und erzieht die Schüler bei gebührender Rücksichtnahme auf die Empfindungen andersdenkender Schüler auf der Grundlage christlicher Bildungs- und Kulturwerte. Der Erziehungsauftrag ist in der Art zu erfüllen, dass durch politische, religiöse, weltanschauliche oder ähnliche äußere Bekundungen weder die Neutralität des Landes gegenüber Schülern und Eltern noch der politische, religiöse oder weltanschauliche Schulfrieden gefährdet oder gestört werden." (Quelle: Mitteilungen des Saarländischen Landstags).
[Berichterstattung zB via n-tv v. 18.02.04, Yahoo! Nachrichten v. 18.02.04 und Wiesbadener Kurier v. 19.02.04] Kopftuch in HessenDonnerstag, 26. Februar 2004
Medienberichten zufolge will Hessen als erstes Bundesland nicht nur Lehrerinnen, sondern allen Beamtinnen das Tragen von Kopftüchern untersagen. Das Kopftuch stehe im Widerspruch zu den elementaren Grundwerten der Verfassung. Nach Überzeugung der CDU werde das "Gesetz zur Sicherung der staatlichen Neutralität" den Landtag noch vor der Sommerpause passieren. Nach der ersten Lesung im Landtag in Wiesbaden wurde der Gesetzentwurf in den zuständigen Ausschuss verwiesen.
[Berichterstattung zB bei Spiegel online v. 10.02.04, taz v. 12.02.04, Yahoo! Nachrichten v. 18.02.04 und Wiesbadener Kurier v. 19.02.04]
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